Donnerstag, 24. Juli 2014

Fels in der Brandung – Tag 16 und 17 (23./24. Juli 2014)

ב"ה


Trotz heftiger Bemühungen auf höchster Ebene, einen Waffenstillstand, oder doch zumindest eine neue „humanitäre Waffenruhe“ durchzusetzen, gehen die Kämpfe in Gaza weiter. 

Beide Seiten haben ihre Ziele klar und deutlich formuliert.

Die Hamas vertraut auf die Macht der Medien

Der Forderungskatalog der Hamas


Abzug der israelischen Panzer von der Grenze zum Gazastreifen.
Freilassung aller Gefangenen, die während der Suche nach den drei entführten Jugendlichen verhaftet wurden.
Aufhebung der Blockade und Öffnung der Grenzübergänge für Waren und Menschen.
Aufbau eines internationalen See- und Flughafens unter der Aufsicht der UNO.
Ausweitung der Fischereizone auf 12 Seemeilen vor der Küste.
Internationalisierung des Rafah Grenzüberganges (mit Ägypten) unter der Kontrolle der UNO und befreundeter arabischer Nationen.
Internationale Truppen entlang der Grenze.
Israel muss Erleichterungen bei der Einreise für Betende in der Al Aksa Moschee gewähren.
Israel ist es verboten, sich in palästinische Politik hinsichtlich der Versöhnung (Fatah-Hamas) einzumischen.
Wiedereinrichtung der Industrieparks und Verbesserungen für die wirtschaftliche Entwicklung im Gazastreifen.
Fortgesetzte Lieferung von Gratisstrom nach Gaza.

Mir kommt vor, dass die Liste der Hamas Forderungen von Tag zu Tag wächst und Israel mehr und mehr knebelt.

Einen alten Plan hat Verkehrsminister Ysrael Katz aus dem Hut gezaubert: eine künstliche Insel, ca. 4,5 Km vor der Küste gelegen und durch eine Brücke mit dem Festland verbunden. 

Damit ist auch meine Frage nach der „Hafenbrücke“ geklärt. 

So köännte die geplante Insel aussehen

Auf der Insel soll der Hafen, ein Kraftwerk, eine Anlage zur Wasseraufbereitung und vielleicht auch ein Flughafen gebaut werden. Auch der Ausbau der touristischen Infrastruktur wäre denkbar. Nicht vorgesehen sind Wohnhäuser. Die Verbindungsbrücke könnte für 100 Jahre unter internationaler Kontrolle stehen, während der die Seeseite von Israel kontrolliert würde.


Das operative Management der gesamten Infrastruktur wird in der Hand der Palästinenser liegen.

Bereits im Jahr 2011 hatte Katz dieses Projekt vorgestellt. 

Er ging damals  davon aus, dass der Bau insgesamt 10 Milliarden $ kosten würde. Als geschätzte  Bauzeit gab er 10 Jahre an. Durch das Projekt würden, so seine Vorstellung, ca. 100.000 neuen Arbeitsstellen geschaffen. 

Im neuen Katalog der Forderungen ist dieser Bau enthalten, damals wurden Stimmen laut, vor allem von wohldenkenden Umweltschützern und palästinensischen Politikern, dass das Projekt ein „Fantasiegebilde“ und die pure „Verrücktheit“ sei.

Ghassan Khatib der damalige Sprecher der PA formulierte seine Bedenken: „Wenn Israel etwas tun will, um das Leben der Palästinenser zu erleichtern, gäbe es viele viel leichtere Maßnahmen. (…) Wenn sie den Palästinensern helfen wollen, dann müssen sie die Blockade von Gaza aufheben, die Wiedervereinigung von Gaza und dem WJL zulassen, und die Gründung des Staates Palästina zulassen. In dem Fall sind sie eingeladen Vorschläge zu machen.“

Heute ist der damals abgelehnte Hafen Teil der Forderungen…...

Goethe konnte ja nicht wissen, dass seine Worte „Der Worte sind genug gewechselt, lasst mich auch endlich Taten sehen!“ auch einmal für die, seit Jahren mit nicht zielführenden Wort- und Schriftwechsel bis zum Platzen vollen Verhandlungen zwischen Israel und den Palästinensern gelten könnten.

Israels Ziele sind weitaus pragmatischer: Zerstörung der Tunnelsysteme, um die Infiltration von Terroristen nach Israel zu beenden – Zerstörung der Waffenlager – Brechen der Macht der Hamas – Wiederherstellung der völligen Ruhe im Süden des Landes, bzw. wie man es zutreffender formuliert im Süden und im Zentrum von Israel. 

Hamas hat seit Beginn der Operation Fels in der Brandung mehr als 2.100 Raketen auf Israel abgeschossen, das entspricht im Durchschnitt einen Beschuss im 10 Minuten Takt. 

Nur ein Beispiel von heute, Donnerstagvormittag:

11:02 Alarm in Zentralisrael
11:12 Zwei Raketen wurden über Bat Yam und Petah Tikva abgefangen
11:19 Alarm in Tel Aviv
11:33 Drei Raketen wurden über Tel Aviv abgefangen

Wie unterschiedlich die Wertschätzungen für die ihnen unterstellen „Kämpfer" ist, kann man deutlich erkennen.

Aus Katar meldete sich Khaled Mashaal zu Wort. Dort wird er von seinen Freunden verwöhnt bis zum geht nicht mehr und kann sich die Schreckensmeldungen aus sicherer Entfernung anschauen.

Urlaub in Katar

Fussball WM 2014

Heute in  Katar

Jagd am Strand von Gaza -was immer es da zu jagen gibt

Auf dem Weg zur Weltpolitik vor wenigen Tagen

Für ihn ist es klar, dass es keinen Waffenstillstand geben kann, ohne dass alle Forderungen erfüllt sind. Den Modus Waffenstillstand gefolgt von Verhandlungen lehnt er kategorisch ab.


Ganz anders verhielt sich der Kommandant der Golani, Ghassan Alian.  Er wurde zu Beginn der Woche von Schrapnells getroffen. Seine Verletzungen seien, so die Meldung „leicht bis mittelschwer“. Bereits am Dienstag beschloss er, zurück nach Gaza zu gehen. Er habe eine Verantwortung seinen Soldaten gegenüber.


Gezeichnet fuer immer

Gestern hat die IDF das Wafa Krankenhaus in Gaza beschossen. Es ist furchtbar genug, wenn man liest, dass ein Krankenhaus Ziel eines Angriffes wird. Wenn dann dieses Krankenhaus noch mitten in Gaza liegt, wo derzeit bis zu 4.000 verwundete Gazaener behandelt werden müssen, dann neigt man verständlicherweise dazu, sich der Meinung von Navi Pillay, der UNO Hochkommissarin für Menschenrechte anzuschließen.

Alt aber immer noch zutreffend


„Es scheint ein konkreter Verdacht zu bestehen, dass das internationale Recht verletzt wurde. Dies in einer Art und Weise, die fast schon Kriegsverbrechen sind.“ 

Sie fügte auch noch hinzu, dass der Beschuss israelischer Gebiete mit ausschließlich ziviler Bevölkerung aus Gaza keine Kriegsverbrechen auf israelischer Seite rechtfertige.

Was ist wirklich geschehen?

Palliwood läst grüssen


Ich gebe es zu, ich bin parteiisch. Und deshalb ist es nur logisch, dass ich den Aussagen und Belegen der IDF mehr glaube, als den  „Belegen“ der Hamas. 

Wir haben seit der Gaza Flotilla unsere Lektion gelernt. Jeder Einsatz unserer Truppen wird mit Helmkameras dokumentiert, die in Sekundenschnelle die Bilder online an eine zentrale Stelle weitergeben. Dort werden die Bilder oder Filme analysiert und, sobald als möglich, für die Öffentlichkeit freigegeben. Bilder wie aus Palliwood werden nicht veröffentlicht. 


Das nachfolgende Video, freigegeben von der IDF, belegt, was sich im Vorfeld des Angriffes abspielte.




Völlige Ungewissheit herrscht noch über einen dramatischen Zwischenfall, der heute Nachmittag in einer UNWRA Schule in Gaza stattfand. Während eines heftigen Gefechts zwischen der IDF und Hamas Terroristen wurde eine UNWRA Schule in Beit Hanoun wurden mindestens 15 Personen getötet und mehr als 200 verletzt. Die Schule dient momentan als Flüchtlingsheim.


Heute gibt es weder Highlights, noch eine Rose, noch einen Kaktus!

Morgen übersiedeln wir, und ich weiß nicht, ab wann ich wieder Internetzugang habe.

Shabbat shalom

Mittwoch, 23. Juli 2014

Fels in der Brandung - Tag 14 und 15 (21./22. Juli 2014)

ב"ה



Die Zahl der Toten auf beiden Seiten steigt. In Gaza starben mehr als 600 Menschen, Israel trauert um 25 tote Soldaten und zwei Zivilisten.

Vorgestern und gestern setzte sich der erbitterte Kampf in und um Gaza fort.

Im letzten Eintrag habe ich ein Bild  gepostet, das Menschen auf einem Dach zeigt. Mittlerweile gibt es das Bild in einer besseren Qualität, jetzt erkennt man deutlich, dass sich auch Kinder unter den potentiellen Opfern befinden. 



Die für gestern zwischen 10:00 und 15:00 vorgeschlagene „humanitäre“ Feuerpause fand nicht statt. Dass sie kommen könnte, war einseitig von arabischen Medien als Gerücht gestreut worden, wurde aber nie von für die Verhandlungen relevanten Stellen bestätigt. Während die Hamas verkündete, sich daran halten zu wollen, kam von Israel keinerlei Reaktion. Das ist ein PR Punkt für die Hamas: „Seht her, wir wollen ja, aber Israel schweigt!“

Während der letzten Feuerpause liefen in den Straßen von Gaza teils befremdlich anmutende Gestalten herum.  Waren das nun Mann-Weiber, ein neuer Typus der arabischen Frau, oder waren es wirklich Männer. Es gibt nur sehr wenige Aufnahmen von ihnen,  bei einigen schaut die Kalaschnikow unter dem Rocksaum hervor, die Person auf dem nachfolgenden Bild besticht durch grazile Bewegungen und einen wirklich zarten Körperbau….



Am Sonntag kam es zu mehreren tragischen Vorfällen, bei denen insgesamt 13 Soldaten, überwiegend Mitglieder der prominenten Golani Einheit getötet wurden. Sieben von ihnen waren in einem gepanzerten Personentransporter unterwegs, als dieser unter Beschuss kam.

Nur sehr langsam wurden die Namen der Opfer bekannt gegeben. Das ist in der Regel ein Zeichen dafür, dass es irgendein im Zusammenhang mit dem Fall stehendes Problem gibt. 

Und dann tauchten unglaubliche Meldungen über die Entführung eines Soldaten in den arabischen Medien auf. Aus Gaza Stadt, Shuafat und Jericho wurde berichtet, wie groß der Jubel und die Freude über die angebliche Entführung war. 




An Geschmacklosigkeit kaum noch zu überbieten ist das schnell zusammengebastelte Video, mit mehr als 500.000 Aufrufen und mehr als 8500 Likes seit der Veröffentlichung vorgestern.



Der im nachfolgenden Video zu Wort kommende Hamas Sprecher Mushir Al-Masri, ist jener Terrorist, der mit einer Delegation aus Gaza als persönlicher Gast vom heutige Stadtamman von Baden (CH), Geri Müller, dem großen Palästinenserfreund, im Januar 2012 das Bundeshaus in Bern besuchte.



Die Entführung wurde von israelischer Seite dementiert. Solange, bis Gestern doch mehr und mehr Informationen bekannt gegeben wurden, die ich jetzt, gegen 22:30 nur so zusammenfassen kann: Sgt. Oron Shaul, 21 wird vermisst. Die Meldungen sind zu widersprüchlich. Ich möchte mich an den Spekulationen, die mir teilweise den Atem nehmen, nicht beteiligen. Nur eine Meldung, die ein wenig Hoffnung zulässt, dass nicht das Allerschlimmste eintritt (Nota bene, ich gehe davon aus, er ist tot. Und ich hoffe, er musste nicht allzu viel leiden!). Die IDF konnte auf Aufnahmen aus einer unbemannten Drohne erkennen, dass sich kein Hamas Terrorist dem ausgebrannten Fahrzeug und damit den Getöteten genähert hat.



Im Laufe von Vorgestern und Gestern gab es wieder einige Versuche, über das rasch kleiner werdende, aber offensichtlich immer noch vorhandene Tunnelsystem nach Israel einzudringen. Zwei Hamas Terroristen versuchten, sich in Uniformen zu verstecken, die denen der IDF nachempfunden waren. Nur dank der „falschen“ Bewaffnung wurden sie als Terroristen erkannt. 




Kaktus des Tages

Obwohl die israelischen offiziellen Stellen betonen, das es bei An- und Abflügen auf und vom Flughafen Ben Gurion keinerlei Sicherheitsbedenken gäbe, stornierten alle US amerikanischen Fluglinien, Canada, sowie die Lufthansa mit ihren Ablegern Swiss, Austrian und Germanwings alle Flüge für die kommenden 36 Stunden. Aber gut, den Verantwortlichen steckt die Angst, dass ein zweiter schrecklicher Absturz wie in der Ukraine stattfinden könnte, in den Knochen.

Die ELAL bemüht sich, auf ihren Europa Flügen größere Maschinen einzusetzen, um „gestrandete“ Passagiere mitnehmen zu können.


Die Hamas ist wieder zu den üblen Täuschungsmanövern ihrer Frühzeit zurückgekehrt und benutzt Krankenwagen, um nach einem Anschlag und in diesem Fall Raketenabschuss ungehindert davon kommen zu können. Feige Nüsse!




Rose des Tages

Auch Shelly Dadon wurde als Opfer des Terrorismus anerkannt. Shelly, die auf Grund einer chronischen Krankheit nicht ihren Dienst in der IDF leisten konnte war auf dem Weg zu einem Vorstellungsgespräch. Auf dem Weg dorthin bestieg sie ein Taxi, nicht ahnend, dass der Fahrer, ein arabischer Israeli, ihr Mörder sein würde.



Das Video, welches ich leider nicht kopieren kann, aber das sich hier befindet, zeigt, wie sich der Stress und die Anspannung unserer Soldaten innerhalb von Sekunden entladen kann. Einige der Reservisten konnten für ein paar Stunden heimfahren. Duschen, Essen, Freunde anrufen, schlafen, schlafen und dann wieder los. Und für alle die, die nicht heimfahren können, werden landauf, landab Pakete gepackt. Seife, Handtücher, Guetzli, Cafe, Shampoo, Socken (aber bitte keine weißen, die reflektieren zu sehr). In jedem Supermarkt stehen Sammelcontainer, jeder spendet.

Und noch eine ganz spezielle Rose

Nissim Sean Carmeli, einer der getöteten Soldaten hat in Israel keine Familie außer zwei Schwestern. Er ist ein  „lone soldier“. Die Stadt Haifa anerbot sich sofort, ein Ehrengrab bereit zu stellen. Maccabi  Haifa, nicht ganz so bekannt wie Maccabi Tel Aviv, rief vorgestern via facebook alle Fans aus, zur Beerdigung zu kommen. Und es kamen mehr als 20.000!