Donnerstag, 21. August 2014

Fels in der Brandung Tag 44 + 45, 20./21. August 2014

ב"ה



Die Abfolge der Angriffe ist so schnell, dass der Warnton auf meinem Handy wie ein einziger Dauerton klingt. Wie grauenhaft müssen sich die Menschen im Süden fühlen, dass der Beschuss so intensiv weitergeführt wird? Seit Mitternacht sind bisher mehr als 100 Raketen geschossen worden, das Zentrum der Angriffe war die Eshkol Region, die unmittelbar östlich an Gaza anschließt. Am Ende des Tages werden es mehr als 160 sein, ein neuer Rekord.


Ein großer Teil des Gebietes ist landwirtschaftlich genutzt. Während der laufenden Operation können die Landwirte ihre Felder, wenn überhaupt, nur minimal betreuen. Für einige Sorten Obst und Gemüse ist Erntezeit in Israel. Die Bewässerung wurde abgestellt, teilweise haben Panzer und andere Kettenfahrzeuge die Erde aufgewühlt. Das Land gehört grossteils zu den Kibbuzim, der Verkauf der Ernte stellt den Hauptanteil der Einnahmen dar. Nachdem zahlreiche Raketen aus Gaza hier landeten, muss nach Ende der Kampfhandlungen erst einmal der Kriegsmüll eingesammelt werden. Durch direkte Treffer brannten einige Ställe aus, Tausende Hühner und Hunderte Kühe kamen in den Flammen um. Wer zahlt den Schaden? Sicher keine Versicherung und der Staat wird versuchen, möglichst lange mit den Zahlungen zu warten.


Bei einem der Angriffsflüge gegen Terrorziele in Gaza hat die IDF während der Nachtstunden das Hauses von einem der meistgesuchten Hamasführer,  Mohammed Deif bombardiert. Es war zunächst nicht klar, ob er selbst unter den Toten war. Heute Abend verdichten sich die Zeichen, dass er den Angriff, ebenso wie sein Frau und ihr Sohn nicht überlebt hat. Deif war der Führer des militanten Flügels der Hamas, der Qassam Brigaden. Seit Jahren wurde  er von Israel gejagt, vier direkte Angriffe auf sein Leben hat er überlebt. Nun soll er tot sein. Der Mann, der viele Angriffe plante und/oder selber durchführte, der Raketen baute, der direkt und indirekt für viele Tote in Israel verantwortlich war.







Die Hamas äußerte sich noch am späten Nachmittag dahingehend, dass Mohammed Deif  „lebendig und bei guter Gesundheit ist“. Hamas kündigte weiterhin an, dass ihr Vorgehen davon abhinge, ob Deif am Leben sei, oder ob er bei dem Angriff der IDF getötet worden sein. Sollte das der Fall sein, würden die Folgen für Israel dramatisch sein. 

Eine offizielle Erklärung beider Seiten ist noch ausständig. Die IDF weiß aber sicher, dass er sich zum Zeitpunkt des Angriffs auf das Haus dort befand.

Auf der palästinensischen Webseite Saham News (nur arabisch) wurde gegen Abend berichtet, dass Mohammed Deif doch tot sei. Die Online Zeitung veröffentlichte sogar das Bild des „angeblich“ toten Terroristenführers. Allerdings wurden der Bericht und das Bild nach kurzer Zeit wieder aus dem Netz genommen.



Hamas hat stolz bekanntgegeben, dass sie zwei Raketen auf die ca. 30 Km nordöstlich vor Gaza liegende Gas Förderinsel  Noa“ geschossen hat. Allerdings wurde kein Treffer gelandet. Es war dies der erste Angriff dieser Art. Ein Treffer der Gas Förderinsel wäre problematisch gewesen, sie befindet sich im Eigentum des globalen Unternehmens Nobel Energy und des Israelischen Unternehmens Delek. Gerade auf Grund der internationalen Beteiligungen an  den Gasförderungen ist Israel besonders bedacht auf extreme Sicherheitsvorkehrungen, die entsprechend einer grundsätzlichen Aussage der IDF auch gegeben sind. Dass es dazu keine konkreteren Informationen gibt, versteht sich von selbst.




Wie Hamas für heute ankündigte wurde der Flughafen Ben Gurion mehrfach ins Ziel genommen. Anders als vor zwei Wochen haben sich aber nicht nur die ELAL, sondern auch ausländische Fluglinien dazu entschlossen, den Flugverkehr von und nach Israel aufrecht zu erhalten. Ich war gestern im Süden in der Nähe des Flughafens, noch bevor die Feuerpause gebrochen wurde. Das, was ich schon mehrfach von Freunden gehört habe, sah ich nun selber. Die Abflüge gehen nun nicht mehr direkt nach Westen über Tel Aviv aufs Meer hinaus, sondern deutlich nach Nord-Westen. Auch die Anflüge kommen nicht mehr südwestlich herein, sondern nordöstlich. So kann man die Gefahr des Beschusses aus Gaza vermeiden.

Heute, Donnerstag sind nur zwei Flüge von und nach Frankfurt storniert, sowie ein Flug aus Kairo. Ansonsten verläuft der Flugbetrieb ungestört. Mittlerweile hat auch die Türkische Pegasus Air ihre Flüge für morgen abgesagt.



In einer pinpoint Aktion wurden gegen Morgen drei  führende Hamasterroristen getötet. Mohammed Abu Shamaleh war maßgeblich an der Terrorattacke auf Kerem Shalom vom 25.06.2006 beteiligt, bei der zwei Soldaten getötet und Gilad Shalit entführt wurde.

Raed Al-Attar, der ebenfalls bei diesem Anschlag beteiligt war, gilt als „Architekt“ der grenzüberschreitenden Terrortunnel. Während der laufenden Operation war er der Kommandant jener Gruppe, die den IDF Soldaten, der später für tot mit unbekanntem Ort der Beisetzung erklärt wurde, Hadar Goldin, entführt hat.

Die Väter von Gilad Shalit und Hadar Goldin sagten, dass sie zufrieden seien, dass man die Peiniger ihrer Söhne gefunden habe. 

Mohammed Barhum, der dritte Hamas Führer gehörte ebenfalls zu den meistgesuchten Terroristen und wird für zahlreiche Anschläge gegen israelische Zivilisten in Israel verantwortlich gemacht. Die Drei befanden sich offensichtlich zum Zeitpunkt des Angriffs durch die IAF gemeinsam in einem Haus.

Hamas hat prompt drei angebliche „Kollaborateure“ hingerichtet, die uns den Aufenthalt der drei Anführer mitgeteilt haben sollen. Sieben weitere wurden festgenommen. 

Nach den gestern zurückgerufenen 2.000 Reservisten wurden heute weitere 10.000 wieder einberufen. 

PM Netanyahu wollte sich nicht dazu äußern, ob Mohammed Deif, dessen Frau und Sohn gestern bei einem gezielten Angriff getötet wurden, noch am Leben sei, oder nicht, hielt aber fest: „Jeder Hamas Führer ist ein legitimes Angriffsziel für uns, niemand ist davon ausgenommen“

Wenn man den Berichten von Channel 2, die im Prinzip immer recht gut informiert sind – keine Ahnung woher sie die Infos erhalten – glaubt, dann hat Hamas nun das letzte Viertel seiner Raketenvorräte angeknabbert. Die Mittel- und Langstreckenraketen seien verschossen.

Falls das so sein sollte, dann interpretiere ich das nicht enden wollende „zeva adom“ App als positives Zeichen, als letztes Aufbäumen. Aber, ich glaube es einfach nicht. Jedenfalls wurden heute Abend noch Raketen über Be’er Sheva und den Jerusalemer Hügeln abgefangen. 

Welche fragwürdige Rolle Katar bei den Waffenstillstandsverhandlungen einnimmt,  wird immer klarer. Neben den zahlreichen und umfassenden Geldspritzen an die Hamas, beeinflussen sie auch deren Entscheidungen im Bezug auf die Verhandlungen. Gestern wurde via Al-Hayat bekannt, dass  Khaled Mashal sein bequemes und sicheres Domizil in Katar möglicherweise verloren hätte, wenn die Hamas den Ägyptischen Vorschlägen zugestimmt hätte.   
    
Da ist es ja dann kein Wunder, dass der heute vor die Presse trat.
„Die Palästinenser werden nicht an den Verhandlungstisch zurückkehren, bevor Israel sich unseren Forderungen gebeugt haben wird. Wir haben die Feuerpause nicht gebrochen, wie Israel behauptet. Israel belügt die internationale Gemeinschaft wieder einmal, wie schon in der Vergangenheit."

Die Rose des Tages

Geht an jenen Zivilisten aus Eshkol, der es heute Vormittag nicht mehr schaffte, rechtzeitig in den nächsten Bunker zu laufen (15 Sekunden!). Augenzeugen berichten, dass er von Schrapnells in die Brust getroffen wurden, als er sich auf den Boden warf, um zwei Kinder mit seinem Körper zu schützen, die es auch nicht mehr in den Bunker geschafft hatten. Er war bei der Erstversorgung durch herbeigerufene Paramedics bei vollem Bewusstsein und hatte sehr starke Schmerzen. Die Verletzung wurde zunächst als leicht eingestuft. Im Laufe des Tages wurde sie dann als mittlere bis schwere Verletzung eingestuft. Ich wünsche ihm gute und vollständige Genesung!

In einer weiteren Attacke auf Eshkol wurde ein Kindergarten voll getroffen, der auf Grund der Ferien gottseidank außer Betrieb war.



Und eine zweite Rose geht heute an Gali Nir und an Benaya Sarel  ז״ל. 

Benaya ist vor drei Wochen während der Gaza Operation gefallen. Heute Abend wollten Gali und er heiraten. Statt der Hochzeit luden die beiden Familien und ihre Freunde, sowie das Givati Aufklärungsbataillon bei dem er diente zu einem ausgiebigen Essen in einer Suppenküche ein. Die zahlreichen Armen, die auf die tägliche Verpflegung angewiesen sind, werden es ihnen von Herzen danken!

Der Kaktus des Tages

Geht an die Hamas selber. Am Samstag beginnt in Israel, wie in anderen Staaten auch, die Fußball Bundesliga. Hamas hat bereits jetzt angekündigt, die großen Stadien unmittelbar vor Spielbeginn beschießen zu wollen. Wenn das kein Terror mehr gegen Zivilisten ist, dann weiß ich auch nicht, wie man das Wort Terror sonst noch definieren soll. Diese Absicht steht diametral ihrer Grundsatzaussagen gegenüber, nur Angehörige der IDF und deren militärische Einrichtungen zu bekämpfen, nie aber Zivilisten. Der Beginn der Fußball Saison wurde aus Sicherheitsgründen verschoben.



Und noch einen Kaktus gibt es Heute.

Er geht an 90 Nahostexperten, die  in einem offenen Brief an die Deutsche Bundesregierung fordern sie:

    sich für die Erreichung eines nachhaltigen Waffenstillstandes einzusetzen, der das weitere Sterben von Zivilisten auf beiden Seiten verhindert und der massiv bedrohten, überwiegend jungen Zivilbevölkerung in Gaza dauerhaften Schutz bietet;
    gegenüber Ägypten und Israel die Aufhebung der Blockade des Gazastreifens durchzusetzen, um eine Normalisierung des Güter- und Personenverkehrs zu ermöglichen und dabei israelische Sicherheitsinteressen durch internationale Beobachter und Unterstützung zu gewährleisten;
    Nothilfe und Wiederaufbaumaßnahmen in Gaza bereitzustellen, aber nicht ohne auch Israels völkerrechtliche Verantwortung als Besatzungsmacht für den Wiederaufbau einzufordern;
    die bereits anerkannte, im Juni eingeschworene palästinensische Einheitsregierung und ihre Regierungsgewalt über den Gazastreifen sowie Handlungsfähigkeit in den gesamten palästinensischen Gebieten inklusive Ostjerusalems mit Nachdruck zu stärken;
    die Tötung von Zivilisten vor und während der Angriffe auf den Gazastreifen zu untersuchen, zu einer internationalen Untersuchung aktiv beizutragen und den Beitritt Palästinas zum Internationalen Strafgerichtshof zu unterstützen. Gleichzeitig die Zerstörung ziviler Infrastruktur (so wie die Bombardierung des einzigen Elektrizitätswerkes von Gaza, Kläranlagen, Krankenhäuser etc.), die  seit Jahren mit EU- und bundesdeutschen Geldern finanziert wird, zu untersuchen und Kompensation von Israel einzufordern;
    die restriktiven deutschen Rüstungsexportbestimmungen auch im Nahen Osten auf alle Konfliktparteien anzuwenden sowie die militärische Zusammenarbeit mit Israel auf den Prüfstand zu stellen;
    sich mit Nachdruck für ein Ende der israelischen Besatzung der palästinensischen Gebiete einzusetzen und für beide Seiten verbindliche, völkerrechtskonforme Vorschläge für eine Konfliktregelung zu machen.

Von den 90 Erstunterzeichnern leben in Ostjerusalem oder dem WJL 21, dem arabischen Kulturraum angehörend sind vom Namen her 19, beruflich im direkten oder indirekten Umfeld der Palästinenser stehen 47, es gibt die eine oder andere Doppelzuschreibung.

Dann gibt es da noch sechs mir namentlich bekannte Juden, einer von ihnen, Peter vulgo Jochi Weil-Goldstein, ist ehemaliger Projektleiter von Medico International, einer 100% anti-israelischen NGO. Reiner und Judith Bernstein gehören zu den Befürwortern der „Genfer Initiative“ von 2003, Reiner Bernstein schreibt gern, viel und vor allem sehr einseitig und grenzwertig inkorrekt gegen über Israel im Journal 21. Drei weitere sind Mitglieder der „Jüdischen Stimme für einen gerechten Frieden“ einer europaweit verbreiteten Gruppe, die sich redlich bemühen, alles zu tun, damit das Bild Israels in der Welt völlig verquer daherkommt. Ich möchte es nicht verabsäumen, hier auch die entsprechende Schweizer Gruppe, die jvjp.ch zu verlinken, die für Übermorgen zu einer pro Gaza Demonstration in Bern aufruft.

Morgen Abend beginnt wieder der Schabbat in Israel und überall in der jüdischen  Welt.
Das gönne ich unseren Jungens und Mädels:


Und  das möge ihnen Stärke und Kraft geben: